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Geschafft! Ulrike Dittrich ist zur Hauptschule in Rheinberg gegangen und macht jetzt als Kundenberaterin Karriere bei Solvay Ulrike Dittrich (30) hat's geschafft. Sie war auf der Hauptschule in Rheinberg und ist heute Account-Managerin bei der Firma Solvay, was ein Beweis dafür ist, dass heutzutage nicht alle Hauptschüler zu Hartz IV-Empfängern werden. Bestimmt war ein komisches Gefühl für Frau Dittrich, in ihre alte Schule zurück zu kommen. Frage: Frau Dittrich, Sie waren auf der Hauptschule in Rheinberg, wann haben sie ihren Abschluss gemacht?
Ulrike Dittrich: 1994 mit der mittleren Reife. Wir hatten damals die Erweiterungskurse, in denen man auf den Realschulabschluss vorbereitet wurde.
Frage: Auf welche Schule sind sie nach der Hauptschule gegangen?
Ulrike Dittrich: Ich bin in Moers auf das Gymnasium in den Filder Benden gegangen und habe dort mein Abitur gemacht.
Frage: Wie lange hat es gedauert?
Ulrike Dittrich: Drei Jahre, ich habe glücklicherweise kein Jahr verloren.
Frage: Und danach, haben Sie eine Ausbildung gemacht?
Ulrike Dittrich: Ja bei der Solvay, erst wollte ich mich nicht noch einmal bewerben (grinst), denn ich hatte schon in der zehnten Klasse versucht dort einen Ausbildungsplatz als Chemikantin zu bekommen. Ich bin aber nicht angenommen worden, weil ich mich vorher nicht richtig informiert hatte - in diesem Jahr wurden nur Laboranten ausgebildet.
Frage: Warum haben Sie sich als Chemikantin beworben?
Ulrike Dittrich: Ich hatte immer Etappenziele, viele aus meiner Klasse hatten eine Ausbildung nach der Mittleren Reife angefangen. Da ich nichts bekommen hatte, bin ich weiter zur Schule gegangen.
Frage: Und dann haben Sie es noch einmal ausprobiert? Ulrike Dittrich: Ja, habe ich. In der 13. Klasse habe ich mich aber für die Ausbildung zur Kauffrau im Groß- und Außenhandel, zur Speditionskauffrau und zur Industriekauffrau beworben und habe eine Bewerbung zur Solvay geschickt.
Frage: Und was ist dann passiert, wurden Sie sofort angenommen?
Ulrike Dittrich: Ich musste erst einen schriftlichen Test machen, danach wurden nur noch wenige zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen, zwei Ausbildungsplätze wurden vergeben und ich wurde angenommen.
Frage: Wie lange sind Sie jetzt schon bei der Solvay?
Ulrike Dittrich: Mit der Ausbildung sind es schon 12 Jahre.
Frage: Was haben Sie nach der Ausbildung gemacht?
Ulrike Dittrich: Ich wurde nach Ablauf der Probezeit als Sachbearbeiterin im Vertriebsinnendienst der Chemiesparte eingestellt. Da war ich für die Auftragsabwicklung der Produkte Soda und Bicar zuständig, das heißt ich war dafür verantwortlich, dass der Lkw zur bestellten Zeit auch beim Kunden eintraf.
Frage: Und welche Kunden bestellen bei Solvay?
Ulrike Dittrich: Beispielsweise Dr.Oetker, der aus unserem Bicar sein Backpulver herstellt, oder Henkel, die aus vielen Rohstoffen von Solvay ihr Waschmittel oder die Spülmaschinen-Tabs herstellen.
Frage: Was ist der Unterschied zu Ihrem alten Job?
Ulrike Dittrich: Ich reise sehr viel, vor allem im Herbst ist meine arbeitsintensivste Zeit, dann besuche ich unsere Kunden hauptsächlich in Deutschland, aber auch in der Schweiz und in England und schließe die Jahresverträge mit ihnen ab. Ich fahre für die Firma etwa 60 000 Kilometer im Jahr.
Frage: Und wie sind Sie dann zu dem jetzigen Job gekommen?
Ulrike Dittrich: Ich bin drei Jahre lang abends zur Schule gegangen und habe ein Betriebswirtschaftsstudium neben dem Beruf gemacht. Das war die Voraussetzung für meine Stelle im Außendienst.
Frage: Wo wohnen Sie jetzt, Frau Dittrich?
Ulrike Dittrich: Ich wohne immer noch in Rheinberg. Frage: Was für ein Unternehmen ist denn die Solvay?
Ulrike Dittrich: Solvay ist ein belgisches Unternehmen mit drei Geschäsbereichen in Chemie, Kunststoffe und Pharma.
Frage: Wie viele Arbeitnehmer gibt es denn bei Solvay?
Ulrike Dittrich: Es gibt weltweit 28.000 Mitarbeiter, in Rheinberg sind es etwa 900 Mitarbeiter.
Frage: Können oder dürfen Sie auch in anderen Ländern arbeiten?
Ulrike Dittrich: Ja, das ist möglich. Ich kann mich z.B. für Amerika, Westeuropa, Osteuropa und Asien bewerben.
Das Interview führten Meltem Sevinc und Hana Kameraj von Hauptschule Rheinberg, Klasse 8b. Die Einleitung schrieb Simon Serwatke.
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